HLP HIRZEL & PARTNER

Interne vs. externe Beratung
So lautete die Frage, und rund 80 Personen kamen Ende September zum HLP Management-Diskurs 2008 ins Deutsche Filmmuseum in Frankfurt. „Die Welt der Beratung hat sich signifikant geändert“, sagte Initiator Matthias Hirzel von HLP. „Die Unternehmen setzen verstärkt auf interne Beratung. Für uns als Externe ist das nicht gerade animierend.“

Mehrwert Interne Beratung
„Interne Beratung ist praxisnah“, diese Position vertrat Thomas Glück, Geschäftsführer DB Training, Deutsche Bahn AG in Frankfurt. Die Vision, die Mission und die strategischen Ziele seien oft zu weit weg von den Mitarbeitern. Die entscheidende Frage: „Wie bekomme ich die Organisation gedreht?“ Interne Beratung könne die Umsetzungslücke schließen, so Glück. „Sie begleitet den Veränderungsprozess hin zu den Menschen.“

ext_inovationExterne bringen Innovation
Die Vorteile externer Berater skizzierte Dr. Haukur Ingi Jónasson, Head of Nordica Consulting und Professor an der Universität von Island in Reykjavik. Externe Beratung sei innovativ, so Jónasson. Sie kenne die beste Praxis, erprobte Konzepte im Feld. Und dafür beauftragt das Unternehmen Externe: Einsichten und Wissen in die Organisation zu bringen, die es selbst nicht hat. Zudem seien die Externen unabhängiger. „Beim internen Berater ist eher das Risiko, dass er bei einem Auftrag auch eigene Interessen verfolgt.“
Das überbetriebliche Wissen sah auch Thomas Glück als ein Plus der Externen. Doch für ihn stand „Nachhaltigkeit vor unabhängiger Expertise“. Und die könne der Interne besser gewährleisten. Die Kernkompetenz bleibe im Unternehmen und die Organisation beflügle die Erfahrung: „Wir schaffen es aus eigener Kraft.“

Konkurrenz belebt das Geschäft
„Für den Unternehmer oder Manager erhöht der Wettbewerb zwischen den Beratern die Wahlmöglichkeiten. Und das hält ein Unternehmen gesund.“ Dr. Ingo Gaida, Leiter Organization & Performance Development bei der Bayer MaterialScience AG in Leverkusen, beleuchtete das Thema aus der Sicht des Auftraggebers. Dabei haben interne und externe Berater unterschiedliche Rollen: Der Interne kenne das Geschäft und die handelnden Personen, stehe schnell zur Verfügung und sei loyal. Er müsse Brücken bauen und Ängste nehmen, er müsse seinem Herren dienen und dabei Kollege und Mitarbeiter bleiben. „Unruhe zu stiften, um dann die Balance wiederherzustellen, wird zur Kunst des interner Beraters.“ Anders der externe Berater: Der solle Grenzen einreißen, die Veränderungen „da draußen“ erlebbar machen. Er solle die Zukunft der Märkte, der Produkte und der Wettbewerber voraussagen. „Er soll neue Wege und Reichtümer aufzeigen. Das erfordert großes Selbstbewusstsein, Abenteuerlust, und Kreativität.“
Aufgabe des Unternehmers sei zu entscheiden, in welcher Situation sich das Unternehmen befindet, um die richtigen Rollen zu finden und die Starbesetzung zu wählen. „Entscheidend dabei ist die Team- und Kooperationsfähigkeit zwischen internen und externen Beratern.“

Der scharfe Blick
Ein tiefenpsychologisches Argument für die Externen lieferte Haukur Jónasson. Eine Organisation lebe auf zwei Ebenen: der bewussten Ebene, also Prozessen, Strukturen, und der „unbewussten“: Gegenseitige Projektionen, Zuneigung, Neid, Gruppeninteressen.
„Der interne Berater ist Teil des unbewussten Systems und anfällig für solche Dynamiken.“ Der gute Externe sei „in Touch- und Go-Beziehungen“ ausgebildet. „Er geht ins Kundensystem, macht seine Arbeit und geht wieder raus.“ Weitere Interessen z.B. nach Macht, Einfluss oder Karriere im Unternehmen habe er nicht. So sieht er Dinge, die interne Personen nicht sehen, er identifiziert Probleme und mögliche Ergebnisse. „Keen is the eye of the guest“, zitierte Jónasson ein isländisches Sprichwort: „Das Auge des Gastes sieht scharf.“

Mitgliedschaftsregel
Gerade die Zugehörigkeit zum System hielt Thomas Glück für einen Vorteil des internen Beraters. Es gebe in Organisationen das „Gesetz des Wiedersehens.“ Das Risiko des Gesichtsverlustes sei viel höher und ein interner Berater könne schwerer unpopuläre Entscheidungen transportieren. „Doch seine Zugehörigkeit schafft hohes Vertrauen in der Organisation. Das reduziert Widerstände bei Ist-Analysen und Umsetzungen.“ Haukur Ingi Jónasson betonte dagegen die „Objektivität des Außenseiters.“ Gegenüber dem Externen öffneten sich die Mitarbeiter eher, erzählen und geben Informationen, vor allem bei Konflikten.

Interne sowie externe Beratung
Zukünftig werde Fachwissen über Unternehmen und Volkswirtschaften hinweg von wachsender Bedeutung sein, so Dr. Ingo Gaida. Die Herausforderung sei, dieses Wissen zu vermitteln und gezielt wirtschaftlich zu nutzen.„Den dazugehörigen Wandel werden die Manager von morgen nicht allein managen können. Dazu brauchen sie ‚Helfer’, interne wie externe Berater.“ In der anschließenden Diskussion ergänzte ein Teilnehmer. „Am erfolgreichsten ist eine gelungene Balance von interner und externer Beratung mit klar austarierter Rollenverteilung und gegenseitigem Vertrauen.“

Die Vorträge zum Downloaden
Interne Beratung ist praxisnah – Thomas Glück, Geschäftsführer DB-Training, Deutsche Bahn AG in Frankfurt
External Consulting is innovative – Professor Haukur Ingi Jónasson, Universität von Island in Reykjaik
Wettbewerb tut auch der Beratung gut – Dr. Ingo Gaida, Leiter Organization & Performance Development, Bayer MaterialScience AG in Leverkusen