HLP HIRZEL & PARTNER

Führung - virtuell oder physisch präsent?

Wie führen und kommunizieren Manager der Zukunft? Virtuell oder vor Ort von Angesicht zu Angesicht? Auf dem HLP Management-Diskurs 2010 pointierten zwei Fachleute ihre Standpunkte.

Führungskräfte managen virtuell - per E-Mail, Webk onfe renzen und Telepräsenz. Doch wie erfolgreich? Es gebe unendliche Tele-Konferenzen, wo keiner weiß, wer spricht und worum es geht. In Web-Konferenzen mit langen Präsentationen komme niemand in den Dialog, so Ghislaine Caulat, Inhaberin der Unternehmensberatung „Black Gazelle“ und HLP-Netzwerkerin. „Es ist eine neue Disziplin, die es zu lernen gilt.“ Doch die meisten Leader seien nicht darauf vorbereitet.

 

 Erfolgsfaktor Präsenz
„Regelmäßige gemeinsame Präsenz ist ein relevanter Baustein für erfolgreiche Unterneh-mensführung, gerade in Zeiten schnellerer Managementprozesse und zunehmender Globalisierung“, sagte Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in seinem Vortrag. Präsenz sei ein großes Incentive. Die Führungskraft bekunde so den Respekt vor der Person, dem Team und seinen Aufgaben. "Hieraus resultieren ein Großteil der Motivation und der Identifikation mit Unternehmen und Aufgabe.

Identifikation und Commitment
Besonders in internationalen Projekten hält es Grandke wegen der Kulturunterschiede für nötig, die Leute persönlich kennen zu lernen. „In Strategie-Prozessen und Projekten, wo ein Turnaround geschaffen werden soll, erreicht die persönliche Anwesenheit hohe Identifikation und zusätzliches Commitment.“ Deshalb sei er beim Beginn eines Projektes persönlich anwesend. Gerade bei hauptsächlich virtuell arbeitenden Teams seien Face-to-face-Meetings kontraproduktiv, meinte hingegen Ghislaine Caulat „Das Team muss lernen, die Präsenz und den Austausch virtuell zu gestalten, auch wenn Konflikte und Missverständnisse geschehen.“

Geht Vertrauen virtuell?
„Wenn es um Macht, um Konflikte und um Vertrauen geht, denken viele Leute: Ich muss der Person in die Augen schauen“, berichtete Ghislaine Caulat. Müsse man nicht. Die meisten Führungskräfte hielten Beziehungsthemen für die Momente auf, wenn die Leute persönlich zusammen sind. Konflikte und Vertrauensfragen würden so nicht rechtzeitig besprochen, die Führung sei rein auf die Aufgabe konzentriert. „Teams und Führungskräfte, die Beziehungsebene und Aufgabe verbinden, kommen sehr schnell zu höchsten Leistungen und guten Ergebnissen.“

Kernkompetenz Zuhören
Als Manager müsse er wissen, in welcher Verfassung der Mitarbeiter ist, sagte Reinhard Grandke. „Diese Regungen lassen sich nur ungenügend über virtuelle Führungsinstrumente herausfinden.“ Dem widersprach Ghislaine Caulat. Wer virtuell arbeite, lerne genau, was Zuhören bedeutet. „Er oder sie spricht heute viel schneller, die Stimmhöhe ist anders. So hört man, ob jemand frustriert und müde ist. Dann braucht man den Mut, das zu thematisieren.“